Von Marit Brunnert mit Paul Stegemann und Jale Pakhuylu
©Bilder von Anne Meerpohl und Nora Boiko

Kollektivtreffen in der Metropole Ostwestfalens: Bielefeld

Kennst du das Gefühl, Menschen zu treffen, denen du dich auf eine merkwürdige Weise verbunden fühlst? So, als wäre es nicht das erste Mal, dass du mit ihnen am selben Tisch sitzen darfst. Es erscheint dir beinahe unheimlich, jeden Namen mit einer Geschichte oder einem Bild verbinden zu können, sich an Stimmen aus vorangegangenen Skypecalls zu erinnern und doch noch nicht auf diese Weise in ihre Augen geblickt zu haben. Und im Bruchteil einer Sekunde ist dieses Gefühl da, das dich vergessen lässt, dass es sich um ein Zusammentreffen von vermeintlich Fremden handelt.

So, oder so ähnlich verlief unser Kollektivtreffen am vergangenen Wochenende.

Es kamen Sailinge aus den verschiedensten Orten Deutschlands nach Bielefeld, der wohl mythenumworbensten Stadt Nordrhein-Westfalens. Legenden zufolge soll diese Stadt gar nicht existieren. Nun ja, ob es sich bei dieser Geschichte um die reine Wahrheit handelt, oder um eine skrupellose Lüge, werdet ihr später noch herausfinden. Sicher ist: Kein*e Bielefelder*in möchte diese Frage je gestellt bekommen.

Das Kulturhaus Bielefeld hatte uns freundlicherweise Räume zur Verfügung gestellt, damit wir drei Tage effektiv an aktuellen Projekten, ebenso wie Zukunftsplänen tüfteln konnten.

Den Freitagabend nutzten wir als offenen Kennenlernabend für Interessierte. Doch zunächst trudelten die Sailinge ein und verbreiteten eine entspannte Stimmung zwischen Salatschüsseln und Teetassen. Nora und Jale wärmten den Glühwein auf und im Laufe des Abends stießen neugierige Menschen dazu. Sodass wir zwischen Lebkuchen und Spekulatius die Nacht füllten mit offenen Gesprächen rund um sai, kreatives Schaffen, neuen Ideen und ein Kultur-Café.

Je dunkler das Wetter von Freitag auf Samstag wurde, desto ausgelassener, entspannter und kreativer wurde das gemeinsame Schaffen in den Räumen des Kulturhauses. Beim Frühstück starteten wir mit einer kleinen sai-Geschichtsstunde von Leonie in den Tag, um danach die eigentliche Tagesplanung zu verwerfen. Zu stark war der Tatendrang der sailinge, sodass wir uns direkt in die AG-Arbeit stürzten.

Wir drehten Videomaterial für den Fairwandler-Preis, entwarfen Ausstellungspläne, träumten von Print und bastelten an einem Podcast. Nach der Pizza am Nachmittag wurde spontan noch eine Spaziergangs-AG gegründet, damit sich die wenig genutzten Beine vertreten werden konnten. Zurück im Plenum sammelten wir uns und unsere Ideen. Es gab mal wieder Lebkuchen und die Reste vom Vorabend. Getrieben von der frischen Energie von Leon, der erst später am Tag zum Treffen kam, diskutierte und brainstormte die AG Print noch bis spät in die Nacht über Ideen eines analogen sai-magazins. Erschöpft und glücklich vereinte sich das Kollektiv nach dieser Spätschicht wieder, um das Bielefelder Rätsel auf den WG-Parties der Stadt und in der Leipziger Volkszeitung zu lösen.

Am Sonntagmorgen kehrten wir nicht in unsere Kreativhöhle im Bielefelder Kulturhaus zurück, sondern legten unsere ausgetanzten Beine hoch und frühstückten bei Jale. Unausgeschlafen machten wir uns nach dem Frühstück an das gemeinsame Träumen. Auf einer Matratzenwiese liegend, mit den Sonnenstrahlen, die durch das Fenster hineinstrahlten, im Gesicht, schlossen wir unsere Augen. Märchenhafte Zustände entstanden in der kleinen Großstadt im Herzen Ostwestfalens. Doch ehe wir es realisieren konnten, mussten wir uns alle wieder in die Richtungen unserer Städte aufmachen und die gebuchten Züge bekommen.

Was bleibt, ist ein ziemlich warmes Gefühl der Verbundenheit und das Wissen, dass alles möglich ist.

sai ist als Kollektiv nach diesem Wochenende reicher geworden an Träumen, Visionen, Reflexionen, Zielen, Aufgaben und – dem wohl schönsten Zugewinn – neuen Sailingen. Doch waren wir wirklich dort oder ist dieser Text wie Bielefeld nur eine Lüge? Existierte das Kollektivtreffen – und existiert die Stadt?

Anne antwortet in Bildern:

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