von Sai Kollektiv |Beitragsbild: Marit Brunnert

Prolog: Morgen Menschen wird’s nichts geben – Frieda

Es fühlt sich irgendwie absurd an in Zeiten der Klima-, Existenz- und Sinnkrisen an Weihnachten zu denken. Einfach eine rote Schleife um Objekte zu binden, um sie dann gut gemeint an irgendwelche Personen (mindestens aber an enge Verwandte und Freund*innen) zu verschenken, fühlt sich irgendwie naiv und ignorant an. Aber es kitzelt doch alle Jahre wieder dieses hilflose Gefühl in uns, dass es trotzdem so Tradition ist und dieses Schenken und Beschenkt werden ist ja auch irgendwie schön.

Deshalb etwas für das gute Gewissen: Schenken ist gesellschaftlich betrachtet extrem wichtig. Dahinter steht etwas, was der französische Anthropologe Marcel Mauss in seiner Theorie der Gabe erforschte. Er entdeckte drei universelle Regeln der Gabe: Die Gabe muss gegeben, angenommen und erwidert werden. Was simpel klingt, verbirgt ein revolutionäres Potential. Denn dieses Bedürfnis eine Gabe unbedingt erwidern zu wollen, stiftet und stärkt persönliche Beziehungen und ist sogar die Basis politischer Allianzen. Das Erwidern lässt sich nämlich nicht quantifizieren oder messen, denn die Erwiderung muss mit zeitlicher Differenz geschehen. Die Gabe sprengt so unser kapitalistisches Ware-Geld-Tauschgefüge und die soziale Beziehung wird nicht mehr an der Kasse beendet. Anders gesagt, würde uns der*die Bäcker*in beim nächsten Mal die Brezel schenken, würden wir noch lange darüber nachdenken. Die soziale Verbindung würde fortbestehen und wir würden zum Beispiel beim nächsten Mal versuchen ihm*ihr etwas zurückzugeben. Genau genommen ist also schon der Akt des Schenkens antikapitalisitisch, weil er Beziehungen stärkt und einen Austausch auf Augenhöhe möglich macht. 

Weil kluge Theorien sich aber nicht so gut in Geschenkpapier verpacken lassen, haben wir im sai Kollektiv nach kretativen antkapitalistischen Alternativen gesucht:

Nicht irgendein Kalender – Daniel

Falls du es willst, hast du deine Termine immer und überall im Blick –  auf dem Handy, dem Laptop oder vielleicht sogar im handfesten Taschenkalender.  Aber ein Wandkalender? Das ist ein Relikt aus einer lang vergessenen Zeit und höchstens noch im verstaubten Großraumbüro zu entdecken. Oder bei Mama, Papa, Oma und Opa – die sind ja schließlich auch schon etwas eingestaubt. Stell dir das Strahlen in ihren müden Augen vor, wenn sie an Heiligabend deinen selbstgemachten Kalender in den Händen halten. Mit all den Reisefotos, um die sie dich vor deinem Abflug gebeten haben und die du trotz Versprechen, nie abgeschickt hast. Mit zahlreichen tollen Momenten, von denen sie nie etwas mitbekommen, da du mittlerweile in einer weit entfernten Stadt wohnst und nur alle paar Wochen mal durchklingest. Mit lauter Fotos von dir, die sie in Zukunft ganz stolz ihrem Besuch vorhalten werden, worauf diese sagen werden: „Mensch, ist der*die groß geworden!“.  Bei so einem kreativen und persönlichen Geschenk hast du bei deinen Vorfahren anschließend nicht nur einen riesigen Stein im Brett, sondern auch keinen Krater im Geldbeutel. Bastelkalender und zwölf ausgedruckte Fotos gibt es in vielen Drogeriemärkten und Bastelläden schon für wenig Geld. Aber das Beste am Kalender: Man braucht jedes Jahr einen Neuen und du musst dir nie wieder Gedanken über Geschenkideen machen. 

Unterhose nähen – Lena

Du brauchst:
Dehnbaren Stoff
Elastisches Band
Dehnbares (Spitzen-)Band
Bändchen für die Schleife (optional)

Nähmuster lassen sich ganz leicht im Internet finden. Einfach ausdrucken (oder direkt aufmalen) und losschneiden.
Hier ein Beispiel:
Vorderseite: https://sew-ing.com/hanky/fitp1.png
Rückseite: https://sew-ing.com/hanky/fitp2.png
Anleitung mit Bildern: https://sew-ing.com/hanky/lowrise.html

Revolutionären Denkraum – Julie

Wie ging das noch mal mit dem Kapitalismus? Egal was: Um den antikapitalistischen Spirit fürs neue Jahr zu stärken oder sich endlich mal intensiv mit politischer Ökonomie auseinander zu setzen, das Kapital von Marx ist der perfekte Begleiter. Im antikapitalistischen Starter-Kit darf diese schwere Lektüre natürlich nicht fehlen, um doch irgendwann unsere Gesellschaft revolutionieren zu können. 

Perfekt für alle Träumer*innen, Philosoph*innen und Kritiker*innen, die sich nachts bei einem Glas Wein die Köpfe zermartern, wie die Welt denn nun verändert werden kann. Denn es ist Zeit, dem Kapitalismus endlich den Rücken zu zu kehren. 

* Das Kapital bei Amazon zu bestellen wäre vielleicht doch zu (post)ironisch. Es lässt sich aber auch gebraucht im Antiquariat um die Ecke oder im Buchladen des Wohlgefühls kaufen.

Den Baum verschenken – Marit Brunnert

„Was schenke ich?“ ist wohl jedes Jahr die Frage , die unmittelbar mit der Weihnachtszeit in Verbindung steht. Es soll mir und den Beschenkten Freude machen und am besten auch noch nützlich sein. Und nachhaltig sowieso. Deshalb dachte ich dieses Jahr: „Warum nicht mal den Baum schenken ?“ und habe das Geld für Weihnachtsgeschenke an ein Aufforstungsprojekt gespendet. Diese Bäume verschenke ich nun symbolisch an meine Liebsten. Dazu noch etwas Selbstgemachtes und fertig ist ein Geschenk, das von Herzen kommt!

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