von Emily Dakers |Illustration: © Leonie Ziem

Vom 23. bis zum 26. Mai ist es nach fünf Jahren wieder soweit: Für rund 400 Millionen EU-Bürger sind die Wahllokale geöffnet und können ihre Stimme für eine*n Europa-Abgeordnete*n abgeben. Delara Burkhardt ist mit 26 Jahren eine der jüngsten Kandidatinnen der SPD. Warum ist sie Politikerin und von was für einem Europa träumt sie?

Delara hat in Kiel und Hamburg Politik- und Sozialökonomie studiert und war zuletzt in einer Kommunikationsagentur tätig. Sie ist vor allem online erreichbar und berichtet auf zahlreichen Social-Media-Kanälen über ihre Ideen und Themen. Außerdem ist sie momentan viel auf Tour in Kommunen und Städten, um ihr Bild von Europa zu vermitteln. So versucht sie, die Menschen für sich zu begeistern.

Was ist deine Motivation, als junger Mensch Politikerin zu sein und so viel Zeit in die Politik zu investieren?

Wir sind die Generation, die in einem geeinten Europa aufgewachsen ist. Jetzt, wo das, was für uns selbstverständlich schien, unter Beschuss steht von rechts, sehe ich es als unsere Aufgabe an, die europäische Idee weiterzuentwickeln. Das Ärgern über soziale Ungleichheit und der Wunsch, die Gesellschaft ein Stück besser zu machen, treibt mich an, Politik zu machen. 

Gab es einen Schlüsselmoment, indem du dich entschieden hast, politisch aktiv zu werden?

Ich bin mit 16 in die SPD eingetreten, nachdem es in Schleswig-Holstein Bildungsstreiks gab, weil das Abi in acht Jahren eingeführt wurde. Ich fand es falsch, dass eine Entscheidung getroffen wurde, die unsere Zukunft betrifft, aber wir nicht mitentscheiden konnten. Deshalb habe ich mich entschieden, dorthin zu gehen, wo die Entscheidungen, getroffen werden.

Ist „Politikerin“ sein überhaupt ein attraktiver Job?

Bisher mache ich nur ehrenamtlich Politik, deswegen kann ich dazu nichts aus eigener Erfahrung sagen. Ich habe riesigen Respekt vor der Aufgabe und freue mich über das Privileg, Verantwortung dafür zu übernehmen, dass Europa gerechter, offener, jünger und nachhaltiger wird.

Delara Burkhardt kandidiert auf dem Listenplatz 5 der SPD zur Europawahl
© Waldemar Salesski

Wie versuchst du junge Menschen zum Wählen zu motivieren?

Ihr habt eine Stimme, wenn ihr sie (nicht) nutzt, vertritt niemand eure Interessen! Es geht um unsere Zukunft und die müssen wir gestalten! Die einfachste Form ist ein Kreuz im Wahllokal.

Warum sind junge Menschen in Entscheidungsprozessen unterrepräsentiert und wie könnte das europäisch geändert werden?

Ich glaube Vorbilder und Personen zur Identifikation sind nicht unwichtig, um junge Menschen für Politik zu begeistern. Ich werde mein Bestes geben meine Arbeit im Europäischen Parlament transparent und über die Sozialen Netzwerke mitverfolgbar zu gestalten. Außerdem wollen wir als SPD verbindliche Jugendbeteiligungsformate und einen Jugend-Check auf Europäischer Ebene einführen, um zu prüfen, wie politische Entscheidungen sich speziell auf junge Menschen auswirken.

Was sind deine Themenschwerpunkte? Was liegt dir besonders am Herzen?

Zwei Dinge bewegen mich besonders. Wir können über Nacht Milliarden mobilisieren auf diesem Kontinent, um Banken zu retten und gleichzeitig wächst jedes vierte Kind in Armut auf? Große Konzerne profitieren von guter Infrastruktur, Fachkräften und zahlen weniger Steuern, als der kleine Buchladen nebenan? Das ist nicht gerecht. Da müssen wir gemeinsam ran in Europa und Mindeststeuersätze festlegen, damit der Unterbietungswettbewerb endet und Steuerschlupflöcher gestopft werden. Außerdem finde ich es unerträglich, dass vor den Türen einer Gemeinschaft, die sich Menschenrechte auf die Fahnen schreibt, Menschen im Mittelmeer ertrinken, obwohl genügend Städte und Gemeinden sagen, sie würden diese Menschen aufnehmen.

Thema Migration: Solidarische Städte als eine Lösung für Migration: Wie kommt der Vorschlag bei den Städten/ Kommunen/ Menschen an? 

Sehr gut! Er ist ja auch sehr praktisch. Wir schlagen vor, dass die Städte und Gemeinden, die europäische Werte leben und Geflüchtete aufnehmen wollen, von der Europäischen Union unterstützt werden sollten – finanziell. Dieses Geld können sie dann investieren: In Bildung, Wohnungsbau und Stärkung des ÖPNV. Von der gelebten Solidarität haben dann alle etwas. Das ist mehr als das stumpfe reagieren auf Rechts durch Abschottungspolitik. Das ist ein Gegenvorschlag, der funktionieren kann. 

Social Media: Wie wichtig sind Plattformen wie Instagram für dich? Sind sie ein guter Weg, um junge Wähler*innen zu erreichen? 

Total! Mir macht es Spaß direkt in den Kontakt zu kommen und Fragen zu meiner Kandidatur und Forderungen aufzunehmen. Und „diese jungen Leute“ sind natürlich viel leichter Online zu erreichen, als auf irgendwelchen Marktplätzen.

Was ist deine Vision für Europa?

Ich möchte, dass wir weiter zusammenwachsen und ein Kontinent sind, auf dem Menschen und nicht Konzerne im Mittelpunkt stehen. Ich möchte ein Europa, das seine Rolle als Friedensprojekt weiterdenkt und Demokratie und Frieden statt Waffen in die Welt exportiert. Meine Vision sind die Vereinigten Staaten von Europa, in dem jede Ebene das politisch löst, was sie am besten kann und wir demokratisch und auf Augenhöhe die Rahmenbedingungen unseres Zusammenlebens verhandeln.

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