von Judith Schlüter | Bilder von ©Marit Brunnert

Morgens. Aufwachen. Umdrehen. Weiterschlafen.

Aufwachen. Umdrehen. Weiterschlafen. 
Aufwachen. Augen auf. Ich will noch schlafen, geht nicht.

Aussichtslosigkeit sitzt auf meinem Bett.
,,Was machst du heute?‘‘
Schon bevor ich antworten kann kommt nur ein ,,Ehhh.‘‘
Aussichtslosigkeit unterbricht mich
,,Schaffst du eh nicht. Viel zu anstrengend.‘‘

Angst kommt in mein Zimmer.
,,Egal was du machst, Männer können in deiner Nähe sein.‘‘
Das ist doch nicht schlimm, sage ich mir.
Aber die Angst bleibt, legt sich mit in mein Bett und lässt mich spüren,
dass es doch schlimm ist.
Sie hält mich im Arm und lässt mich nicht los.

Okay, beruhig dich, sage ich zu mir. Wir stehen jetzt auf und
du machst dich fertig.

©Marit Brunnert

Ich stehe auf. In der Dusche. Da, da und da hast du mich angefasst.
Ekel kommt zu mir. Wegwaschen geht nicht. Ekel bleibt.
Wasser aus. Anziehen. Frühstücken.

Verzweiflung klopft nicht. Sie kommt einfach rein.
,,Musst du nicht zur Uni?‘‘
Ich will ja gehen, aber mein Körper ist gelähmt.
Meine Gedanken schweifen wieder zu der Nacht, ich schüttele mich.

Verzweiflung siegt.

Ich will nicht wieder ins Bett, aber die Angst und die Aussichtslosigkeit
nehmen meine Beine und bringen mich dahin. Okay, eine Folge bei Netflix schauen,
dann komme ich auf andere Gedanken, geht nicht.
Drehe mich auf die Seite.
Meine Gedanken schweifen zu der Nacht, ich schüttele mich.

Okay, du musst aufstehen, es ist schon bald eins.

Das mit dem Ablenken hat nicht geklappt, du musst was machen.
Einkaufen. Angst kommt mit.
Ein Mann in meiner Nähe. Panik.
Mein Körper wird schwer. Ich merke, wie ich zu zittern beginne
und meine Augen füllen sich mit Wasser.

Beruhig dich, sage ich zu mir. Angst lässt das aber nicht zu.
Dann zuhause. Ich siege. Aber Angst lacht hämisch.
Sie hat auch gesiegt.

Dann, irgendwas machen um mich abzulenken.
Mit meinen Mitbewohnern reden ist schön, aber
ich kann mich nicht konzentrieren. Buch lesen ist schön, aber
ich muss die Seite wieder von vorne anfangen,
kann mich nicht konzentrieren. Lieblingsserie schauen ist schön, aber
ich kann mich nicht konzentrieren.

Hoffnungslosigkeit sitzt auf meinem Sessel und fragt mich,
wie es denn weitergehen soll. Aber das weiß ich doch auch nicht.
Ich will raus aus diesem Alltag, ich will mein Leben zurück und
ich will an was anderes denken können.
Damit lade ich die Angst wieder ein und sie setzt sich zu mir.
Und bleibt.

Abends. Ich will schlafen.

Mach mir eine Serie an, will mich ablenken.
Dreh mich auf die Seite.
Meine Gedanken schweifen zu der Nacht, ich schüttele mich.

Angst hat mich im Arm, es ist aber keine geborgene Umarmung.
Einschlafen ist schwer, irgendwann klappt es dann doch.

Nachts. Aufwachen. Umdrehen Weiterschlafen.

Aufwachen. Umdrehen. Weiterschlafen.
Aufwachen. Augen auf. Ich will noch schlafen, geht nicht.

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