Text: Laura Gerloff und Frieda Teller | Collagen von ©Marit Brunnert

Was bisher geschah: Nichts

Wir erinnern uns, vor einem Jahr am 20.09.2019 demonstrieren 1,8 Millionen Menschen weltweit für eine neue Klimapolitik. Sie fordern eine Politik, die die wissenschaftlichen Befunde über die Klimakrise endlich ernst nimmt. 

Doch die deutsche Regierung stellt noch am selben Tag ein Klimapaket vor, welches den Herausforderungen der Klimakrise nur unzureichend begegnen kann. 

Die bittere Diagnose der Expert:innen: Deutschland verfehlt seine Klimaziele. 

Eine demokratisch legitimierte Regierung hält sich so weder an die Verträge, die sie selbst unterschrieb, noch wird sie den Forderungen der Menschen auf der Straße oder den deutlichen Appellen der Wissenschaftler:innen gerecht.

Die Zeit vergeht, es kommt das Jahr 2020 und die Covid-19 Pandemie. Sie macht Massenproteste unmöglich und verdrängt die Klimakrise von der politischen Agenda. Systemrelevanz ist das Kriterium der Stunde – die Frage „Für welches System?“, wird selten gestellt. 

Aber das Krisenmanagement der Bundesregierung zeigt auch, was alles möglich ist:

Flugzeuge bleiben am Boden, Produktionen werden zurückgefahren, Innenstädte autofrei und Urlaub wird im idyllischen Deutschland gemacht. 


Zwischenfazit 

Die Regierung kann also, wenn sie will auf die wissenschaftlichen Empfehlungen hören und entsprechende zügige Maßnahmen treffen. Und die Bevölkerung ist in der Lage Verantwortung zu übernehmen. Wir können neue Selbstverständlichkeiten etablieren und im Sinne des Gemeinwohls handeln. 

Wann wird es mal wieder so, wie es nie war?

Das Problem ist, unsere Normalität war bereits eine einzige Krise, noch bevor die (Corona-) Krise kam. Eine Krise des Spätkapitalismus nämlich. Eine Krise, deren Symptome sich in den rasanten Klimaveränderungen und dessen Folgen zeigen. In der Unmenschlichkeit an den EU-Außengrenzen und der globalen Ausbeutung, die Menschen an Unter- und Mangelernährung sterben lässt; die rassistisch und sexistisch ist. 

Deshalb gehen auch heute am 25.09.2020 wieder weltweit Menschen für Klimagerechtigkeit auf die Straße oder unterstützen mit digitalen und analogen Aktionen den Protest. 

Der Wandel ist nicht so entfernt, wie wir glauben. Er hat längst begonnen und trägt ganz verschiedene Gesichter. 

Es gibt ganz konkrete Initiativen und Gründe, sich jetzt zu engagieren – hier ein kleines Sammelsurium: 

1:  Keine Kohle

Was wir wissen: Hast du dich mal gefragt, wie alt du im Jahr 2038 wärst? Auf jeden Fall zu alt, um noch in einem Land zu leben, dass Energie noch aus Kohle gewinnt.  

Was wir tun: Das Bündnis Ende Gelände setzt sich schon seit 5 Jahren für den Kohleausstieg ein. Mit Aktionen des zivilen Ungehorsams machen die Aktivist:innen auch diese Wochenende wieder darauf aufmerksam, dass es einen sofortigen Kohleausstieg braucht. 

Was wir fordern: Systemwandel und endlich raus aus der Kohle!

Warum wir weiterkämpfen: Mit Datteln 4 ist am 30. Mai 2020 (!) ein neues Steinkohlekraftwerk ans Netz gegangen – WTF. 


2: Dein Rassismus und ich

Was wir wissen: Die Klimakrise ist rassistisch und du bist es auch. Das geht sogar so weit, dass BIPoC Aktivist:innen, wie Vanessa Nakate aus Pressefotos rausgeschnitten werden. 
Dabei kämpft Vanessa Nakate, wie viele andere Aktivist:innen aus dem Globalen Süden bereits seit Jahren gegen die Klimakrise und deren Folgen. Denn während besonders Staaten mit einem hohen BIP des Globalen Nordens zu den Verursachenden der Klimakrise gehören, sind Menschen des globalen Südens besonders vulnerabel für dessen Folgen. Aber am Tisch sitzen oft nur alte-weiße Männer und diskutieren sich ihre Zukunft zusammen. 

Was wir tun: Vielerorts werden heute auch Reden von der Seebrücke oder Black Lives Matter auf den Demonstrationen stattfinden. Wir hören zu, um gemeinsam Stimmen zu verstärken, klar zu machen, welche Parteien an Verhandlungen beteiligt werden müssen und um so Druck auf die Regierung auszuüben.

Was wir fordern: Wir haben ein Rassismusproblem in Deutschland, dafür braucht es keine weiteren Beweise oder allgemeine Studien mehr, sondern endlich gesetzliche Konsequenzen. Wir müssen dieses System der Unterdrückung auf Grund von rassistischen Zuschreibungen und Staatsbürger:innenschaft aktiv verändern. Dabei lohnt es sich über die eigenen Privilegien hinaus zu blicken und sich aktiv anti-rassistisch zu positionieren.

Warum wir weiterkämpfen:  Zum Beispiel, weil für Schwarzen Menschen in Großbritannien die Wahrscheinlichkeit, dass sie starker Luftverschmutzung ausgesetzt sind, 28% höher als bei ihren weißen Mitbürger:innen. Fest steht: Es kann keine Klimagerechtigkeit ohne Gerechtigkeit für alle Menschen geben.

3: Hambi & Danni 

Was wir wissen: Uns werden die Lebensgrundlagen entzogen. Wälder sind für unser Überleben essenziell. Sie sind nicht nur Trinkwasserspeicher, sondern schaffen auch ihr eigenes Klima. Die schrittweise weitere Zerstörung von Dörfern und Wäldern in den „Braunkohlegebieten“ oder für Großbauprojekt wie die A49, geht mit dem Verlust des Zuhauses vieler Menschen und wertvoller Ökosysteme einher.

Was wir tun: Der Dannenröder Wald ist seit September letzten Jahres besetzt. Die Aktivist:innen vor Ort informieren die Öffentlichkeit und unterstützen sich gegenseitig.

Was wir fordern: Alle Dörfer bleiben! Alle Wälder bleiben!

Warum wir weiterkämpfen: Noch immer werden uns Scheinlösungen als solche verkauft, die tatsächlich keinen Schaden anrichten. Der kurzfristige Profit einiger weniger Konzerne wird über das nachhaltige Überleben aller gestellt. Wir brauchen nicht noch mehr Autobahnen und Kohletagebaue für eine Zukunft, die es ohne Wälder gar nicht geben kann.

4: Menschenrechte sind so 2020

Was wir schon wissen: Soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit muss zusammen und global gedacht werden. In Frankreich und den Niederlanden gibt es schon Gesetze, welche Unternehmen auch für ihre Tätigkeiten im Ausland haftbar machen. Auch in Deutschland sind 75% der Bevölkerung für ein sogenanntes Lieferkettengesetz. 

Was wir jetzt tun: Es engagiert sich in Deutschland ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis seit Jahren für ein tragfähiges Gesetz und hat dafür konkrete Eckpunkte erarbeitet. Aktuell blockiert besonders das Wirtschaftsministerium das Gesetz – hier gibt es einen offenen Brief an Herrn Altmaier.

Was wir fordern: Es braucht eine zivilrechtliche Haftung der Unternehmen für die Einhaltung von sozialen und ökologischen Standards im Ausland.

Warum wir weiterkämpfen: Die Initiative Lieferkettengesetz ist noch nicht umgesetzt. Was selbstverständlich sein müsste, wird leider von vielen Unternehmen immer noch nicht dokumentiert und bedacht.

„There is no such thing as a single-issue struggle because we do not live single issue lives.” – Audre Lorde

In diesem Sinne: Act for Justice. 
Die Kämpfe und Themen sind vielfältig und hängen doch alle miteinander zusammen. Und so geht es Kein Grad weiter! Lasst uns den öffentlichen und medialen Raum nutzen und gemeinsam an der Veränderung arbeiten. Wir müssen gemeinsam alle Krisen bekämpfen. 

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