Text und Illustration: Mathis Gilsbach | Fotografie: Enactus Jena

Plastik ist ein Problem, viele wissen das, viele sind besorgt darüber, aber nur wenige handeln. Dabei gibt es zahlreiche Alternativen, wie die Papiertüte beim Bäcker, den Flechtkorb auf dem Wochenmarkt oder den Hipster-Jutebeutel. Was viele allerdings nicht wissen ist, dass diese Alternativen oft ihre eigenen Umweltprobleme mit sich bringen. Deswegen haben Studierende aus Jena ein Pfandsystem für Stoffbeutel entwickelt.

Bis zu 130 Mal muss ein Stoffbeutel benutzt werden um eine bessere Umweltbilanz zu haben als eine herkömmliche Plastiktüte. Nutzung definiert dabei die Situation, in der mit ein und demselben Stoffbeutel eine Plastiktüte ersetzt wird. Das liegt an der energie- und wasserintensiven Herstellung der Beutel. Allzu häufig kommt es auch vor, dass man im Supermarkt plötzlich merkt, dass die Einkaufstasche noch zuhause am Haken hängt und man doch mal ‚ausnahmsweise‘ zur Plastiktüte greifen muss oder es wird der heimischen Taschensammlung noch ein weiteres Exemplar hinzugefügt.

Wäre es da nicht praktisch, wenn man all diese ungenutzten Stofftaschen wieder abgeben könnte, damit sie wieder in den Umlauf gelangen und weiter genutzt werden, bis es sich wirklich lohnt? Genau das ist die Idee der Bag-sharing Initiative, der Enactus Hochschulgruppe in Jena. Sie haben ein Pfandsystem für Stofftaschen entwickelt, um eine Mehrfachnutzung der Beutel zu garantieren und ein nachhaltigeres Einkaufen zu fördern.

Kund:innen können die Beutel in Supermärkten gegen Pfand zuzüglich eines Kleinstbetrages erwerben und dort auch wieder abgeben. Benutzte Beutel werden gereinigt und wieder in den Kreislauf gegeben. Die Kunden haben so einen Anreiz ihre Beutel wieder abzugeben. Die Supermärkte sowie die Organisationen für die Verteilung und Reinigung können mittels des Kleinstbetrages für ihren Aufwand entschädigt werden.

Derzeit kümmert sich die Hochschulgruppe noch selbst um die Beschaffung und Verteilung der Beutel, möchte das aber mittelfristig an eine andere, unabhängige Stelle abgeben, damit das Projekt sich eigenständig entwickeln kann.

Das ist auch eines der Kernprinzipien von Enactus. Hilfe zur Selbsthilfe. Der globale und der Deutsche Trägerverein unterstützen Hochschulgruppen an Universitäten in 37 Ländern, eigene Initiativen zu gründen und in die Tat umzusetzen. Dabei werden die einzelnen Projekte hauptsächlich mit Beratung und Netzwerkkontakten unterstützt. Die Erwartung ist aber, dass sich die einzelnen Projekte selbst tragen und sich mittelfristig auch unabhängig von den jeweiligen Enactus Ortsgruppen etablieren.

Dabei setzen sie auf das Konzept des sozialen Start-ups. Die Idee dahinter ist, dass Gewinn nicht alles, aber auch kein Problem ist. Das Ziel von sozialen Start-ups ist dementsprechend, auf eine sozial verträgliche Weise Profit zu machen und das wieder in soziale Ziele zu investieren. Das kann die Beschäftigung von Menschen sein, die sonst nur schwer eine Anstellung finden oder eben auch Umweltschutz und die Vermeidung von Plastikmüll. Der Gewinn soll dabei das Mittel zum Zweck der sozialen Komponente sein.

Für die Jenaer:innen stellt die Lebenshilfe-Werk Weimar/Apolda e.V. die wichtigste Projektpartnerin dar, da sie die Reinigung und Reparatur der Beutel übernimmt. Die Lebenshilfe ist ein Verein, der sich für die Teilhabe von Menschen mit Behinderung und für eine bunte und vielfältige Gesellschaft einsetzt.

Das System ist schon in einigen Läden in Jena gestartet. Den Anfang machte der Laden Jeninchen – Fröhlich Unverpackt Einkaufen. Die Inhaberin zeigte sich von Anfang an sehr interessiert an dem Konzept, stellte aber auch fest, dass ihre Kundschaft nicht unbedingt die passendste Zielgruppe sei. Das liegt wohl daran, dass diese schon sehr bewusst einkaufen, gut ausgestattet sind mit Beuteln und Behältern und diese anscheinend auch seltener zuhause vergessen.

Bag-sharing richtet sich daher eher an Menschen, die Interesse an nachhaltigem Einkaufen haben, das aber noch wenig in ihrem Alltag verankert haben. Daher ist ihr erklärtes Ziel, in allen größeren Supermärkten vertreten zu sein, um eine breitere Gruppe anzusprechen. In einigen Supermärkten zeigten sich die Kund:innen schon sehr interessiert, auch wenn es etwas dauerte, bis das System verständlich genug dargestellt wurde.

Inzwischen sind schon neunhundert Beutel im Umlauf und bei 6 verschiedenen Partnern erhältlich.

Plastikmüll ist nicht nur in Jena ein Problem. Daher ist das langfristige Ziel, das System in ganz Deutschland zu etablieren. Wichtig hierbei ist, dass Enactus Jena das Konzept nicht für sich beansprucht, sondern bereit ist Initiativen zu unterstützen, die das Konzept übernehmen wollen.

Wenn du das Konzept spannend findest und etwas ähnliches in deiner Stadt starten willst, dann melde dich bei Bag-sharing Jena unter:
bag-sharing@web.de

Du lebst in und um Jena herum und möchtest so einen Beutel?
‚Hier ist deine erste Anlaufstelle: https://bag-sharing.webflow.io/
Dort kannst du auch Kontakt aufnehmen, falls du Beutelspenden abzugeben hast.

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