Hoffnung braucht Momente zum Aufatmen

Clara, Anna, Katharina und Rebecca wurden gefragt: Wie entsteht Hoffnung und wie zeigt sie sich? Wie gibt man sie weiter, warum geht sie manchmal weg, kann sie auch komplett verschwinden? Haben wir eigentlich Grund, zu hoffen, ist das einfach die einzige Möglichkeit oder vielleicht ein sehr großer Selbstbetrug? Das waren ihre Antworten.

‚Warmlichtkasten‘ © Anna Trunk

Hoffnung (Clara Reinhardt)

Hoffnung ist die
Idee, dass morgen
besser wird
als heute,
aber übermorgen auf jeden Fall,
zumindest in
zwei Wochen
Monaten.

Hoffnung
ist der Grund,
weshalb mein Körper mich aus dem Bett hebt
jeden Morgen
und dann nur
jeden zweiten.

Hoffnung
ist der helle Stern,
der etwas hellere,
in finsterer Nacht
bevor ich zu müde werde
um hinzuschauen

Hoffnung,
sie verfliegt
wenn das Ziel
wegweht,
verfliegt,
wenn sie
Dauerzustand ist,
wenn Realität
müde macht

Hoffnung
braucht Momente zum
Aufatmen
zu wissen, dass
es sich lohnt
zu hoffen.

‚Celebrating Ending / End of Celebration‘ © Anna Trunk

Hoffnung (Katharina Hilbich)

Hoffnung scheint
morgens durch einen Schlitz
zwischen meinen Gardinen hindurch und weckt mich,
aber oft ist’s auch einfach nur bewölkt.

Hoffnung versteckt sich nämlich gern
hinter den Wolken,
unter den Masken
und lässt mich warten.

Hoffnung glitzert so schön
auf dem Kemnader See,
wenn sie es schafft,
mich aus meinem Zimmer zu locken.

Hoffnung klingt
wie ein warmes Lachen
und fühlt sich an
wie Kopfkraulen.

Hoffnung schmeckt
nach Himbeereis und Zitronenlimonade
(naturtrüb)
mit Minze und crushed ice.   

Hoffnung sagt mir
„Hey, das wird alles wieder,
auf jeden Fall!“

Ich freue mich schon
auf Hoffnungs‘ nächsten Besuch

Hoffnung (Anna Trunk)

Dann vergesse ich wieder, wer ich bin und wo und überhaupt, sehe den Weg nicht mehr. Leere und Tristesse, auch bei Sonnenschein. Ich weiß, dass Wolken vorüberziehen und ich weiß, dass morgen anders sein kann als gestern und heute und, dass heute außerdem gar nicht so trüb ist, wie mir scheint. TRÜBE TASSE, KAFFEESATZ.

Alles ist zu viel und zu wenig gleichzeitig und ich verachte mich für diese unsägliche Unzufriedenheit. Für diesen Film, den ich schiebe und der sich so echt anfühlt. TUNNELBLICK.

Dann will ich laut schreien, um mich schlagen und rennen, so weit, bis weiter nicht mehr geht und mir die Lunge aus dem Hals hängt, Blut aus der Nase tropft und ich lechze vor Anstrengung. BLASEBALG.

Ich will mich spüren, endlich wieder spüren und das kann ich nicht. Oder sagen wir – der Fairness halber – das geht gerade relativ schlecht. Also mache ich Yoga, mindestens drei Mal pro Woche und öffne mein Herz. SEI’S DRUM.

Ich will nicht jammern, ich hasse Jammern . Noch mehr hasse ich Menschen, die mir die Ohren voll jammern, weil ich ach so stabil und geerdet und besonnen wirke. Die Betonung liegt auf „wirke“. Was wirklich ist, weiß ich nicht mal selbst und die Frage, wie ich mich hiermit und damit und überhaupt fühle, macht mich dann rasend vor Wut. Und das ist ungerecht, so furchtbar ungerecht von mir, aber ehrlich. JAMMERIG?

Dann ist es wieder da, dieses Gefühl der Verlorenheit in der Welt und zwischen ihr. Das Gefühl, das Platz nimmt auf meinem Brustkorb und sich zwischen meine Hirnwindungen schlängelt – als sei das ganz selbstverständlich, sich da einzunisten, einfach so, ganz ohne Nachzufragen. Das macht mich wütend und dann bin ich wütend über die Verlorenheit und die Wut. Ich  mache ein Bier auf und dann die Augen zu und hoffe, hoffe, hoffe, dass morgen morgen sein wird und anders als heute.
NAMASTE.

‚Walls of Jungbusch‘ by Anna Trunk

Hoffnung (Rebecca Rapp)

Ich frag mich
wie offen bin ich zu hoffen,
dass alles eintritt, was ich plane?
Denn ich ver-prokrastiniere meine Tage
und hoffe einzig, dass ich nicht versage
-geb‘ aber nicht zu, was ich alles will.

Ich frag mich,
ob ich wohl hoffnungslos bin.
Ich find’ nämlich es macht voll viel Sinn
keine große Hoffnung zu hegen
und lieber das eigene Ego zu pflegen
– um möglichst nicht enttäuscht zu werden.

Ich frag mich
warum hoffnungslos so traurig klingt,
als ob jemensch mit Depressionen ringt,
denn das versuche ich nicht zu beschreiben.
Vielmehr das „passiv Hoffnung betreiben“ 
– das ist anders als hoffnungslos zu sein.

Ich frag mich
wo der Unterschied ist, zwischen planen
und passiv Hoffnung erahnen.
Weil, aktiv Hoffen wäre laut nach außen Hoffen
und so viel Naivität hab ich nicht gesoffen
– leider.

Ich frag mich
was mich stattdessen antreibt.
Wenn die Hoffnung mich ängstigt, Enttäuschung zu leiden,
versuche ich das aktiv zu meiden
– aber ich hab voll Bock aufs Leben.

Ich frag mich
weshalb ich nicht hoffend bin.
Denn scheinbar ist da was in mir drin:
Ich träume und plane und motiviere,
auch wenn ich‘s nicht immer externalisiere
– ich nenn’s nur nicht Hoffnung.

‚Hauswandsichten‘ © Anna Trunk

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