Text und Bilder von Felix Riethmüller und Marius Rennmann

Eine Fahrt mit der Bahn ist doch eigentlich etwas ganz Alltägliches. Wir fahren täglich mit der S-Bahn zur Arbeit, mit einer Regionalbahn zu Freunden in die Nachbarstadt oder am Wochenende zu unserer Familie mit einem ICE. Die Züge fahren stündlich oder häufiger, sind mehr oder weniger pünktlich und bringen uns sicher an unsere Ziele. Und fast immer kennen wir unser Ziel schon vorher.

Doch in manchen Fällen ist dieser so normal scheinende Schritt von der Bahnsteigkante in den Eisenbahnwaggon der Beginn eines großartigen Erlebnisses. Zusammen mit zwei Freunden haben wir diesen Schritt auf eine lebensverändernde Bahnreise gewagt. Unser Plan: mit der Eisenbahn von Berlin bis in die chinesische Hauptstadt Beijing. Knapp 9.500 km Fahrt in Nachtzügen, dem Zusammenspiel von Rad und Schiene vertrauend. Ein wenig verrückt muss man schon sein für eine solche Idee, andere würden das Flugzeug nehmen, aber gerade durch diese Verrücktheit wird aus einem Urlaub ein Abenteuer.

Der erste Schritt auf eine weite Reise – der EN 441 in Berlin Ostbahnhof
© Felix Riethmüller

Jeden Montagabend steht, versteckt zwischen langweiligen Regionalzügen nach Dessau oder Nauen, ein ganz besonderer Zug auf der Anzeigetafel des Berliner Ostbahnhofs. Es ist der EuroNight 441 mit dem Ziel Moskau. Dieser Zug bringt seine Fahrgäste in knapp 24 Stunden direkt aus dem Herzen unserer Hauptstadt in das politische Zentrum des größten Landes unserer Erde. 

Ganz unauffällig rollten an diesem Abend die modernen, in elegantem Silbergrau lackierten Wagen an den Bahnsteig, das streng uniformierte Zugbegleitpersonal positionierte sich an den Türen. Nach Pass- und Ticketkontrolle durften wir unsere Abteile beziehen, die für die nächsten Stunden unsere Unterkunft sein würden. Pünktlich setzte sich der Zug um 19:36 Uhr mit einem Ruck in Bewegung. Die Reise begann.

Das Leben im Zug:

Viele Reisende auf engem Raum, alle wollen schnell irgendwo hin, das Personal irgendwo zwischen professionell und unfreundlich. In einem Nachtzug ist das anders. Alle haben viel Zeit, sonst würden sie dieses Verkehrsmittel nicht wählen, und der Weg ist das Ziel. Die Abteile sind, je nach Klasse und Art des Zuges, mehr oder weniger klein, bieten jedoch die Möglichkeit für einen Rückzug. Doch meistens stehen die Abteiltüren weit offen. Das bunte Treiben im Gang mit spielenden Kindern und umhereilenden Waggonschaffnern gehört einfach dazu. Letztere kümmern sich immer um das Wohl „ihrer“ Fahrgäste und stehen, trotz Sprachbarriere, helfend zur Seite. Dank ihnen ist der ganze Wagen gleichzeitig sauber und sehr gemütlich.

Schlafen im Zug:

Wie ein Pfeil schießt der Nachtzug durch die schwarze Nacht, immer wieder rauschen hell erleuchtete Bahnsteige und Bahnübergänge vorbei. Doch drinnen in den Wagen herrscht im gedämpften Licht eine ganz besondere Stimmung. Die erschöpften Reisenden lassen sich, begleitet von einem regelmäßigen Wanken und Rattern des Zuges, in den Schlaf wiegen. Liegend zu Reisen fühlt sich ganz anders an, als das gewöhnliche Herumsitzen des alltäglichen Zugfahrens. Alle Kurven, Steigungen, Gefälle und leichten Unebenheiten nimmt der entspannte Körper ganz anders wahr als sonst. Ein wenig Gewöhnung und Vertrauen in die Technik sind daher selbstverständlich für einen ruhigen Schlaf notwendig. Die Betten sind je nach Wagenklasse mehr oder weniger bequem, in den russischen Zügen aber angenehm lang, sodass auch große Menschen bequem schlafen können. Ich erinnere mich an lange Nächte im Zug in tiefem, erholsamen Schlaf.

Glanz und Pracht in Moskau – traditionelles und modernes Machtzentrum Russlands
© Felix Riethmüller

Eine theatralische Durchsage kündigte das Erreichen der ‚Hero City of Moscow‘ an, und um kurz vor acht des nächsten Tages erreichten wir den in der Abendsonne liegenden Weißrussischen Bahnhof. 1.919 km Eisenbahnfahrt lagen nun hinter uns und das erste große Ziel der Reise war erreicht. Bevor die Reise weitergehen sollte, hatten wir einen Tag Zeit, um uns die russische Hauptstadt anzuschauen. Wichtigstes Verkehrsmittel, um in der Stadt herumzukommen, war für uns die Moskauer Metro. Wir waren beeindruckt von den imposanten und reich verzierten Stationen tief unter den vollen Straßen und Plätzen der Stadt. Auf dem Weg zum Roten Platz liefen wir über eine Einkaufsstraße, die mit bunt glänzenden Schmetterlingen und großen, gut gepflegten Blumenbeeten geschmückt war. Trotz der vielen Menschen herrschte dort so eine sehr angenehme und entspannende Atmosphäre. Hübsch anzusehen war außerdem die Basilius-Kathedrale mit ihren farbenfrohen Zwiebeltürmchen, die zwischen den hohen Türmen des Kreml nahezu winzig wirkte. Nach ausgiebigen Fahrten mit Tram und O-Bus durch äußere Stadtteile, waren wir dann etwa vier Stunden vor Abfahrt unseres nächsten Zuges wieder in der Innenstadt am Jaroslawer Bahnhof. Wir warteten mit vielen anderen Reisenden in einer der großen Wartehallen auf die Bekanntgabe des Abfahrtsgleises. Um etwa 22:30 Uhr zeigte die Tafel dann Gleis 1 für unseren Zug an, und wir gingen hinaus auf den in der Dunkelheit liegenden Bahnsteig. Viele Züge standen schon zur Abfahrt in Richtung Osten bereit, auch unser Zug wurde kurze Zeit später, zunächst noch verschlossen, von einer Rangierlok an den Bahnsteig gezogen. Eine halbe Stunde vor Abfahrt öffneten freundliche Schaffnerinnen die Wagentüren und ließen die wartenden Fahrgäste in ihre Abteile. Pünktlich um 23:45 Uhr setzte sich der Zug, der von da an für 74 Stunden unser Zuhause sein sollte, in Bewegung.

Loks und Wagen zwischen Berlin und Beijing:

Ehemalige Ostblockstaaten – wie soll da bloß die Eisenbahn aussehen? Alles alt und heruntergekommen, einen sowjetischen Charme versprühend. Weit gefehlt. Zwischen Berlin und Moskau fahren mit die modernsten Schlafwagen, die es gibt. Gebaut von der spanischen Firma Talgo besitzen sie einen unschlagbaren Vorteil: Der Abstand der Räder kann ohne größeren Aufwand an die Spurweite im jeweiligen Land angepasst werden. So dauert das Umspuren zwischen Polen und Weißrussland nur ca. 15 Minuten, denn dort ändert sich der Abstand der Schienen vom europäischen zum russischen Standard. Auch die Wagen der russischen Staatsbahnen im Transsib-Verkehr sind modern und klimatisiert. Etwas rustikaler sind die nicht modernisierten mongolischen Wagen. Mit ihren holzgefeuerten Samowaren und Emblem mit geflügelten Pferden an jedem Wagen strahlen sie jedoch auch eine wunderschöne Rustikalität aus, die einfach zum Land der Pferde und Reiter passt. Die Wagen werden von riesigen, robusten und kräftigen Lokomotiven unermüdlich durch die unberührte Landschaft gezogen. Die Transsib ist vollständig elektrifiziert, daher verrichten dort Elektrolokomotiven ihren Dienst. In der Mongolei dagegen werden Dieselloks verwendet. An den Bahnhöfen finden regelmäßige Lokwechsel statt, um die Loks den Werkstätten zuführen zu können. Auch die Wagen werden bei längeren Aufenthalten auf Funktionsfähigkeit überprüft.

Ein abendlicher Zwischenhalt in Perm – kurz später wird die unermüdliche Reise der Transsib weitergehen
© Marius Rennmann

An einem Sonntag um 6:40 Uhr erreichten wir Irkutsk. Unser Wecker klingelte bereits um 5 Uhr, wir hatten die Koffer gepackt und unter strenger Aufsicht unserer Wagenschaffnerin Bettwäsche und Handtücher sortiert. Am Bahnhof wurden wir von unserem Guide abgeholt und fuhren eine gute Stunde in gewöhnungsbedürftigem Verkehr nach Listwjanka, einem langgezogenen Fischerdorf am steilen Ufer des Baikalsees. Nach einem Frühstück im Hotel besuchten wir einen Aussichtspunkt am einzigen Abfluss des Sees, der Angara, welcher mit einem Sessellift zu erreichen war. Von dort bot sich ein einmaliger Ausblick über die endlos wirkenden Wassermassen. Das in 40 km Ferne liegende andere Ufer war bloß leicht zu erahnen. Später schauten wir uns den See und das Dorf Listwjanka vom Boot aus an und sahen dabei auch die alte Strecke der Baikalbahn, auf der gerade ein Dampfzug unterwegs war. Den Nachmittag verbrachten wir bei starkem Regen und Gewitter im Hotel und freuten uns dann über Duschen und das erste richtige Bett nach vier Nächten im Zug. Im Laufe des nächsten Tages fuhren wir mit unserem Guide nach Irkutsk zurück und erkundeten gemeinsam die Stadt, die aufgrund ihrer prächtigen Straßenzüge auch das Paris Sibiriens genannt wird. Alles andere als prächtig waren jedoch die mit Schlaglöchern übersähten Straßen, vollgestopft mit Autos, Bussen und Straßenbahnen. Für Fußgänger blieben oft nur schmale Bürgersteige oder abgetrennte Wege. Der Garten rund um eine große Kirche unweit des modernen Zentrums der Stadt bot jedoch eine Oase der Ruhe und Entspannung. Nach einer kurzen Nacht im Hotel ging es am nächsten Morgen um 8:13 Uhr bereits mit einem Zug der mongolischen Eisenbahn weiter in Richtung Ulan-Bator.

Warten auf die Abfahrt am Bahnsteig in Irkutsk – nach einem wundervollen Aufenthalt geht die Reise weiter in ein unbekanntes Land
© Marius Rennmann

Verpflegung auf der Reise

Am wichtigsten ist die durchgehende Versorgung mit heißem schwarzen Tee auf den Zügen der Transsib. In jedem Wagen befindet sich ein Samowar mit kochend heißem Wasser, in den Abteilen stehen in den Zügen der mongolischen Eisenbahn große Thermoskannen bereit. Das Wasser kann aber auch wunderbar zur Zubereitung von Fertiggerichten genutzt werden, die durchaus eine verbreitete Verpflegungsart sind. Denn ein Bordrestaurant gibt es nicht in allen Zügen. Wenn es jedoch eins gibt, dann werden dort wohlschmeckende, frisch zubereitete Speisen zu guten Preisen serviert. Eine weitere Möglichkeit, an frische Nahrungsmittel zu gelangen, besteht auf den meisten Zwischenhalten. Zwar nur halblegal, aber geduldet, werden auf den Bahnsteigen alle erdenklichen Köstlichkeiten von Eis, über frisches Obst bis hin zu Räucherfisch verkauft. Auch hier ist jedoch die Kunst wichtig, sich mit Händen und Füßen verständigen zu können (oder natürlich der russischen Sprache mächtig zu sein), denn Englisch wird in den Weiten Sibiriens nur selten gesprochen.

Im Gegensatz zu den Wagen der russischen Eisenbahn, in denen wir bis Irkutsk sehr bequem reisen konnten, waren die Wagen der mongolischen Eisenbahn nicht modernisiert, älter und boten kleinere, rustikalere Abteile. Die Fahrt war dennoch sehr interessant, führte durch spannende Landschaften, und der Anblick des Sonnenaufgangs am Morgen war einfach wunderschön. Am Bahnhof in Ulan-Bator wurden wir erneut von einem Guide abgeholt und in die Weiten der mongolischen Wildnis gefahren. Unser Weg führte durch eine grüne, hügelige Graslandschaft, in der verstreut Jurten standen. An einer historischen buddhistischen Tempelanlage bot sich uns ein atemberaubender Ausblick über das vor uns liegende Tal und das in der Ferne liegende Gebirge. In einem kleinen Restaurant in der Nähe aßen wir Mittagessen. Zur Auswahl gab es drei Variationen von Lammfleisch: frittiert, gedämpft und als Suppe, dazu ein wenig Krautsalat. Anschließend fuhren wir weiter auf der Suche nach der Nomadensiedlung, in der wir die Nacht verbringen sollten. Durch starke Regenfälle war unsere geplante Route überschwemmt und wir mussten einen langen Umweg durch menschenleeres Gebiet auf uns nehmen. Nach sechs Stunden, einer Flussdurchquerung und vielen Schlaglöchern erreichten wir die Nomadenfamilie, die uns mit einem warmen Abendessen (Lammsuppe) und traditionellem mongolischen Milchtee empfing. Am Ufer des Flusses, direkt an unserer Jurte, konnten wir uns abends mitten in der Natur die Zähne putzen. Die Mutter der Gastfamilie hatte währenddessen in unserer Jurte Feuer gemacht, da die Nächte sehr kalt werden. So war es jedoch angenehm warm und wir konnten gut in unseren Betten einschlafen, es lagen auch zusätzliche Schlafsäcke bereit.

Durch weite Landschaften brachte uns ein alter russischer Geländewagen – dort übernachteten wir bei einer Nomadenfamilie mitten in der Wildnis
© Marius Rennmann

Das Feuer war über Nacht ausgegangen und so war es am Morgen auch in der Jurte nahezu so kalt wie draußen. Am Vormittag machten wir unter Anleitung zweier Nomaden und unseres Guides einen Ausritt auf zierlichen mongolischen Pferden. Das war eine wirklich einmalige Erfahrung, auch durch die besondere Landschaft, die es wohl kaum irgendwo anders gibt. Nach einem Mittagessen bei der Nomadenfamilie (gedämpfte Teigtaschen mit Lammfleisch) fuhren wir zurück in die städtische Zivilisation. Ab der Stadtgrenze von Ulan-Bator quälten wir uns durch zähfließenden Verkehr bis zu unserem Hotel in der Stadtmitte. Auch hier genossen wir das vollwertige Bad mit Dusche und bequeme, breite Betten. Am nächsten Tag erkundeten wir auf eigene Faust die Stadt. Von unserem Hotel, direkt am zentralen Süchbaatar-Platz, waren viele interessante Sehenswürdigkeiten schnell zu Fuß erreichbar. Häufig zeigte sich ein spannender Kontrast zwischen traditionellen Gebäuden wie Tempel- und Klosteranlagen und modernen Hochhäusern. Doch auch wenn die Straßen vielerorts sauber und gut gepflegt wirkten, zeigte sich an vielen Stellen auch die große Armut, die unter weiten Teilen der Bevölkerung der Mongolei immer noch herrscht. Am folgenden Samstagmorgen verließen wir um 7:50 Uhr in diesmal ganz neuen Wagen der mongolischen Eisenbahn Ulan-Bator in Richtung Beijing.

Der Kontrast zwischen Tradition und Moderne – eine alte, ruhige Klosteranlage inmitten des turbulenten Zentrums von Ulan-Bator
© Felix Riethmüller

Blick aus dem Fenster

Sich die Zeit zu vertreiben, gelingt auf einer Zugfahrt für gewöhnlich einfach mit dem Beobachten der Landschaft. Das ist auch bei einer 74-stündigen Fahrt der Fall. Zwischen Moskau und Irkutsk führt die Eisenbahnstrecke zumeist durch weite Graslandschaften, immer wieder durchbrochen von kleinen Birken- oder Nadelbaumwäldchen. Die Landschaft wirkt unberührt, hier und da stehen kleine Holzhäuschen verloren in der Gegend. In der Region um den Baikalsee führt die Bahnstrecke durch bergigeres Gebiet und auch für längere Zeit zwischen Irkutsk und Ulan-Ude direkt am Ufer des Sees entlang. Spannend ist auch der Weg von Russland in die Mongolei im Tal eines breiten Stromes, der gesäumt ist von Gras bewachsenen Bergen und Hügeln. Besonders schön ist es, in einer Kurve den Kopf aus dem Fenster zu stecken und an den Wagen entlang bis zur Lok zu schauen, während man den kalten Fahrtwind im Gesicht spürt.

Aufwachen am frühen Morgen in der Ferne – die ersten Blicke vom Zugfenster in die mongolische Landschaft
© Felix Riethmüller

Bahnsteige und Bahnhöfe:

Die Züge der Transsib halten in vielen kleineren und größeren Städten für 15 bis 45 Minuten. Länger dauert ein Halt zum Beispiel, wenn die Lok gewechselt wird. Ob in Brest, Krasnojarsk, Nowosibirsk oder Sainshand, der Schritt hinaus aus dem Zug lohnt sich immer. Ein wenig die frische Luft atmen, die Füße vertreten und den Charakter der Stadt kurz aufnehmen zu können, fühlt sich einfach gut an. Das bunte Treiben auf dem Bahnhof zu erleben macht Spaß und es lässt sich viel Interessantes beobachten. Die Bahnhofsgebäude sind häufig gut gepflegt und sehr imposant, Züge und Reisende kommen an und fahren wieder. Sinnvoll ist es aber, sich nicht zu weit vom Zug zu entfernen oder den eigenen Bahnsteig zu verlassen, denn ein paar Minuten vor der Abfahrt schließen die Zugbegleiter bereits die Türen und oft kann man den eigenen Zug nur auf direktem Wege über die Gleise erreichen, falls nicht gerade ein anderer Zug den Weg versperrt. Eine Nacht auf einem russischen Bahnhof ist zwar ein Abenteuer, muss aber nicht unbedingt sein.

Mit 25 Minuten Verspätung erreichten wir am Sonntagmittag Beijing. Dies war die erste nennenswerte Zugverspätung auf unserer bisherigen Reise. Die letzten Stunden der Fahrt hatten uns durch sehr sehenswerte enge Flusstäler und gebirgige Landschaft geführt. Am Beijinger Bahnhof wurden wir gleich von riesigen Menschenmassen mitgezogen, die sich durch einen engen Tunnel zum einzigen Ausgang quälten. Dort wurden wir einzeln durch einen schmalen Gang mit fünf Kameras zur Gesichtserkennung nach draußen gelassen. Mit Glück fanden wir einen der nicht überlaufenen Eingänge zur Metro und fuhren zu unserem Hotel in der Nähe der Verbotenen Stadt. Aufgrund großer Müdigkeit unternahmen wir nichts mehr an diesem Abend. Am nächsten Morgen ging es schon wieder früh los, als uns unser hochmotivierter Guide am Hotel abholte um mit uns nach Jinshanling zur Chinesischen Mauer zu fahren. Das frühe Aufstehen hatte sich jedoch gelohnt, denn nach der Ankunft und dem Aufstieg über 1000 Treppenstufen waren wir, bis auf zwei nervige Souvenirverkäuferinnen, die Einzigen dort. Wir liefen etwa sechs Kilometer durch die heiße Sonne und genossen die Aussicht über die Berglandschaft und den Verlauf unseres von Türmen gesäumten Weges. Anschließend gab es ein reichhaltiges Mittagessen in einem Restaurant am Fuße der Mauer. Nach zwei Stunden Rückfahrt mit dem Auto bedankten wir uns bei unserem immer sehr motivierten Guide für den schönen Ausflug, und damit war der Tag für uns abgeschlossen.

Der nächste Tag begann mit viel Regen, weshalb wir zwei Museen besuchten und viel mit dem öffentlichen Nahverkehr durch die Stadt fuhren. Dabei fielen uns die modernen Stationen der Metro mit ihren je nach Linie unterschiedlichen Bahnsteigtüren auf. Die Wagen der Züge waren unterschiedlich stark klimatisiert, worauf bereits Markierungen auf den Bahnsteigen hinwiesen. Zum Abendessen gab es an diesem Tag leckere Pekingente in einem im Hintereingang eines Kaufhauses versteckten Restaurant. Am folgenden Morgen versuchten wir nach einem chinesischen Frühstück im Hotel Karten für die Verbotene Stadt zu ergattern. Für diesen und die folgenden Tage waren alle 80.000 Tickets jedoch bereits ausverkauft. Nachdem wir bereits auf dem Vorplatz die Menschenmassen gesehen hatten, waren wir wieder ganz froh darum, keine Karten mehr bekommen zu haben. Stattdessen liefen wir durch überschaubare, farbenfroh geschmückte Einkaufsstraßen mit flachen, traditionellen chinesischen Häusern und besuchten die Gärten rund um den Himmelstempel. Den Abschluss unseres Aufenthaltes in Beijing bildete der Besuch des Sommerpalastes am nächsten Tag. Stundenlang spazierten wir durch den riesigen und wunderschön gestalteten Landschaftspark und bewunderten die zahlreichen Tempel und Pagoden. Abends aßen wir Hot-Pot und gaben unsere letzten Yuan auf der großen Einkaufsstraße im Herzen Beijings aus. Der Flughafenexpress brachte uns in der Frühe des folgenden Morgens hinaus zum sehr modernen internationalen Flughafen. Von dort flogen wir über Helsinki zurück zu unserem Ausgangspunkt Berlin.

Von Berlin aus brachten uns die ICEs der Deutschen Bahn zurück in die Heimatstädte. Hier war alles wieder so gewohnt, das Bahnfahren kaum noch ein Abenteuer. In den letzten Wochen hingegen hatten wir so unglaublich viel Neues kennengelernt. In vier Zügen hatten wir innerhalb von ca. 150 Stunden Zugfahrt 9344 Kilometer zurückgelegt, auf dem Weg fünf Landesgrenzen überquert und andere Kulturen kennengelernt. Keine Reise bisher hat mich so geprägt, bewegt und lässt mich so sehr in Erinnerungen schwelgen, wie diese. War es einfach nur eine besonders lange Zugfahrt? Nein, die ganze Reise war ein wahres Abenteuer und ein wunderschönes Erlebnis.

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