sai:zine – MOURN & ORGANIZE

W A R U M – W I R – D I E S E S – Z I N E – G E M A C H T – H A B E N.

Am Anfang von diesem Zine stand ein sai:austausch zum politischen Backlash, der Normalisierung rechter Ideologien und dem Gefühl, dass das alles ganz schön viel sein kann. Ein Austausch, an dem Menschen aus unterschiedlichen Städten teilnahmen, sich einen Bildschirm teilten und ein Gefühl von Verbundenheit bekamen, weil Emotionen gesehen und geteilt wurden. Und dann gab es ein sai:treffen in Leipzig, im Mai 2025, bei dem die Idee für ein Zine entstand und dann der Arbeitstitel anti-anti. Denn uns war immer klar: eine Anti-Alles-Haltung ist keine Option. Auch, wenn die letzten Jahre hart zu verdauen sind. Auch, wenn wir merken, dass wir diese gefühlten politischen Niederlagen irgendwie noch nicht richtig verarbeitet haben und verarbeiten müssen. Und dass uns dafür vielleicht noch die Strategien fehlen. Aber eine Anti Anti-Alles-Haltung, Zynismus, Wegsehen war nie eine Option für uns. 

Am Anfang dieses Zines stand dieses gemeinsame Gefühl: ein Mix aus Überforderung, Müdigkeit, Wut und der Wunsch, sich ausdrücken zu wollen. Standen fünf Menschen, die sich zusammengeschlossen haben, und viele, die weitere Texte schrieben, Korrektur lasen, mitdachten, Impulse gaben, ermutigten, inspirierten. 

Wir trafen uns, sprachen und diskutierten miteinander. Mit dem sai:kollektiv, mit Freund*innen, in Kommentarspalten im Internet, an Esstischen und in Eckkneipen – zu immer neuen Krisen: nach dem Überfall von Russland auf die Ukraine, nach der Wiederwahl Trumps in den USA, nach dem 7. Oktober, nachdem die CDU im Bundestag mit der AfD abgestimmt hatte, nach, nach, nach… 

Auf der ganzen Welt brennen diese kleinen Feuer, schwelen die Krisenherde und scheinen immer größer zu werden – und überall müssen Menschen damit klarkommen, mit einer Flut an immer neuen Informationen, mit Entwicklungen und Emotionen.

Wir unterdrücken die immer größer werdende Verzweiflung,  während wir zur Arbeit gehen, zur Uni, zum nächsten Arzttermin oder versuchen, unsere Care-Arbeit „wie immer“ zu machen. Während diese Störgeräusche immer lauter werden, weil die Krisen eskalieren. Immer sichtbarer. Immer spürbarer.

Es folgte im sai:kosmos die Gesprächsreihe Mourn & Organize – Solidarität in reaktionären Zeiten. Um klarzukommen, sprachen wir mit Gewerkschafter*innen, Organizer*innen und Aktivist*innen, die Lichtflecken in der Gegenwart sehen, die Strategien finden gegen das immer weitere Erstarken der Rechten und die sie mit uns teilten. Aus den Talks haben wir viel mitgenommen, vor allem, wie sehr wir es brauchen, zusammenzukommen und uns auszutauschen. Wir brauchen den Austausch ganz dringend. Und wir müssen mournen und dürfen unsere (politischen) Gefühle nicht wegdrücken, denn so viele von uns scheinen aktuell sehr ähnliche Emotionen in Bezug zur Welt zu haben.

Wir fanden dieses Zitat von Joe Hill, einem Gewerkschaftler, der 1915 an einen Freund schrieb: „Don’t waste any time mourning. Organize!“ Und wir fanden unsere Überzeugung: Wir brauchen beides! Wir müssen verarbeiten, austauschen, trauern – um dann weitermachen zu können. Um resilienter zu sein, organisieren zu können und aus Niederlagen zu lernen. Um irgendwie klarkommen zu können mit der Welt und all ihren Krisen.

Mit dem sai:zine ziehen wir deshalb eine neue Schleimspur: Mit Reflexionen, Verbindungen und Humor begeben wir uns gegen reaktionäre Tendenzen in eine kollektive politische Therapie, die wir brauchen, um weitermachen zu können. Mit Mourn-Beiträgen – zu politischer Trauer, linker Bubble-Reflexionen, queeren Feelings oder Gendernormen – aber auch mit Organize-Beiträgen über Hoffnungsträger*innen, Argumentationshilfen zum AfD-Parteiverbot oder Buchhoroskopen.

Denn wir sind überzeugt davon, dass unsere Gegenwart Handarbeit bleibt – von Menschen, die sich verbinden, zusammen fühlen und dann aktiv bleiben. Und wir vertrauen darauf, dass wir viele sind und trotz allem weitermachen werden. 

MOURN & ORGANIZE

sai:zine

Was tun, wenn sich die Welt rückwärts dreht? Wie weiter fühlen, ohne zynisch zu werden oder konstant overwhelmt zu sein? Wo Halt finden, wenn utopischer Glaube immer weiter zerbröckelt?

Darum dreht sich unser erstes sai:zine: Um das Trauern, die Rückschläge, die eigene Bubble, Linke-Melancholie, queere Berlinstruggles und den Frust. Wir sprechen über diese Welt, eine „neue Normalität“, die wir nicht annehmen wollen, an der wir verzweifeln – aber gegen die wir uns auch stemmen, trotz allem. Deshalb findet ihr hier Worte von Waldbesetzer*innen und Tipps bei Repressionen genauso wie Argumente für ein AfD-Parteiverbot, euer Buchhoroskop und einen Fragebogen zur politischen Biografie. Und ihr findet im Zine Menschen, die Mut machen, wie Elke, genauso wie Tracks auf die Ohren zum Fühlen, Mournen und Organizen.  

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