Russlands Krieg gegen die Ukraine

vom sai:kollektiv

Was du jetzt beachten musst und wie du solidarisch sein kannst

Am 24. Februar 2022 sind die ukrainische Hauptstadt Kiew, sowie zahlreiche andere Städte in der Ukraine von Russland bombardiert worden. Der bereits seit acht Jahren andauernde Krieg in der Ostukraine weitet sich auf das ganze Land aus. Während sich die russische Armee offiziell bis dato nicht offen in den Krieg im Osten eingemischt hatte, tritt die russische Regierung jetzt offen als Aggressor auf. 

Russlands Präsident Putin hatte vor dem Angriff auf die ganze Ukraine öffentlich die Region Donbas im Osten des Landes als Freie Volksrepubliken anerkannt. Die ukrainische Regierung rief als Reaktion alle einsatzfähigen Landsleute zu den Waffen. Ukrainische Männer zwischen 18 und 60 Jahren dürfen bis heute das Land nicht verlassen. Sie sollen ihr Land verteidigen.

In den letzten Tagen überschlagen sich die Neuigkeiten. Kämpfe zwischen den Armeen der einstigen sowjetischen Bruderstaaten weiten sich aus, die russische Armee fliegt Luftangriffe und Tausende von Menschen begeben sich auf die Flucht in die Nachbarstaaten der Europäischen Union. International werden Sanktionen gegen Russland eingeleitet und weltweit finden Solidaritätsbekundungen statt.  

© Nikolaj Monastyrna
Der Künstler Nikolaj ist ist in Donetsk geboren. Dieses Bild ist ein Ausdruck seiner aktuellen Gefühle. YKPAÏHA ist das ukrainische Wort für Ukraine. Ohne den Anfangsbuchstaben bedeutet es (unabhängiges) Land.

Viele Menschen, auch wir beim sai:kollektiv spüren Solidarität mit den ukrainischen Bürger:innen, aber auch Hilflosigkeit und Wut. Wir fragen uns: Was können wir tun?

“Der erste Schritt zu helfen ist, sich zu informieren.” 

Das schreibt die Journalistin Melina Borčak und veröffentlicht dazu einen Leitfaden worauf zu achten ist, wenn man Berichte aus der Ukraine liest. Den Leitfaden findest Du Hier.


Wichtig ist:


a) die Situation konkret als Krieg Russlands gegen die Ukraine zu benennen

b) den historischen Kontext  sowie die Kriegshandlungen seit 2014 in der Ostukraine zu nennen 

c) besonders ukrainische Stimmen wiederzugeben

Propaganda und Falschmeldungen sind ein wichtiges Instrument der russischen Regierung, überprüfe Fakten und Quellen daher sorgfältig. Wenn man sich bei einer Quelle nicht sicher ist, teilt man keine Informationen. Punkt.

Die Nachrichtenplattform Correctiv veröffentlicht regelmäßig Fakten Checks. Hier kannst du auch potenzielle Falschmeldungen zum Krieg in der Ukraine melden oder ganz einfach per Whatsapp an +4915117535184. 

Regelmäßig aktualisierte Informationen werden in den Livetickern der Tagesschau oder des Deutschlandfunks veröffentlicht. Aber auch ukrainische Medien wie der Kiyiw Independent und das Medium The Euromaidanproject sind verlässliche Quellen. NEXTA blickt aus einer belarussischen Perspektive auf den Krieg. Die Redaktion sitzt im Ausland. Wer sich über aktuelle Geschehnisse in Russland informieren möchte, erhält bei Meduza, einer Plattform für Investigativrecherchen, Einblicke in die Geschehnisse. Die Betreiber der Website sitzen wohl in Riga.

Zwei Journalist:innen aus Deutschland, die mit persönlichen Perspektiven auf Instagram berichten, sind Artur Weigandt und (@pygmalion) und Anna Zhukovets (@annuschek).

Auch die Korrespondent:innen der öffentlich-rechtlichen Medien berichten aktuell und gewissenhaft. Sie sind in der Regel vor Ort, sprechen dort mit Verantwortlichen und Zivilist:innen. Während BILD-TV schon jetzt mit unseriöser Berichterstattung aufgefallen ist, kann man sich auf diese Journalist:innen verlassen. Aus den USA sind auch einige gute Journalist:innen von CNN vor Ort. 

Neben den aktuellen Kampfhandlungen ist es zudem wichtig, sich mit den historischen Hintergründen des Kriegs, sowie den Entwicklungen seit 2014 zu beschäftigen.

Zum Beispiel mit dieser Arte Doku oder dem Machiavelli Podcast zur Historie und Popkultur der Ukraine. Die Arte-Sendung „Mit offenen Karten“ ermöglicht einen Blick auf die geopolitischen Überlegungen Putins.

Was Du noch tun kannst:

  1. Demonstrieren

Zusätzlich zur Information durch verlässliche Quellen und dem Entlarven von Falschmeldungen, ist es wichtig, den politischen Druck für die wirksame Unterstützung der Ukraine aufrecht zu erhalten. Eine Übersicht der weltweiten Demonstrationen zur Solidarität mit der Ukraine ist hier zu finden.

  1. Spenden

Die Folgen des Krieges treffen besonders Zivilist*innen. Zahlreiche Hilfsorganisationen leisten daher humanitäre Soforthilfe besonders an den ukrainischen Grenzen, zum Beispiel sendete die Mission Lifeline einen Konvoi an die slovakisch-ukrainische Grenze. Die öffentlich-rechtlichen Sender haben zudem Hilfekontos eingerichtet.

Eine weitere Möglichkeit ist es unabhängige Journalist:innen zu unterstützen. Das Katapult-Magazin zeigt etwa wie Journalist:innen in der Ukraine unterstützt werden können. Katapult berichtet in einem Liveblog, sowie über soziale Medien auch aktuell über die Situation und stellt weitere Hilfsangebote vor. 

  1. Soforthilfe

Viele Menschen, die vor dem Krieg fliehen, sind auf der Suche nach Schlafplätzen und Transportunterstützung. 

Schlafplätze für Flüchtende kannst du zum Beispiel hier anbieten.

Und über dieses Pad werden europaweit Unterkünfte koordiniert.

Außerdem organisieren zahlreiche Vereine wie das Übergrenzen Kollektiv, sowie Privatpersonen Sachspenden für die Grenzregionen und Transporte. Du kannst also auch Kontakt zu deinen lokalen Akteur*innen aufnehmen und fragen, wie du diese unterstützen kannst.

Besonders marginalisierte Gruppen, wie Schwarze Menschen und PoC werden aktuell an der sicheren Flucht gehindert und brauchen besondere Unterstützung. @grupagranica bietet BIPoC Personen an der Ukrainisch-Polnischen Grenze Hilfe an. 

Dies ist nur eine begrenzte Zusammenstellung. Schreibt uns gerne falls ihr noch mehr sinnvolle Hinweise für informations- und Unterstützungsangebote kennt und leitet diese an eure Familie und Freund*innen weiter.

Wir sind voller Solidarität mit den Menschen in der Ukraine!


We Lived Happily During the War

von ILYA KAMINSKY (geboren 1994 in Odesa)

And when they bombed other people’s houses, we

protested

but not enough, we opposed them but not

enough. I was

in my bed, around my bed America

was falling: invisible house by invisible house by invisible house.

I took a chair outside and watched the sun.

In the sixth month

of a disastrous reign in the house of money

in the street of money in the city of money in the country of money,

our great country of money, we (forgive us)

lived happily during the war.


*** DISCLAIMER ***

Zudem ist es wichtig, auf deine psychische Gesundheit acht zu geben.
Psychosoziale Beratungsstellen bieten Unterstützung an. 

Die anonyme Telefonseelsorge erreichst du unter dieser Nummer +49800/111 0 111 oder +49800/111 0 222 · 116 123

Die NGO Les Migras bietet außerdem queeren Menschen aus der Ukraine psychologische Beratungen auf Russisch und Ukrainisch an.

  1. Pingback: Ich bin Litauer. Die Ukraine kämpft auch für meine Zukunft – sai

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Gefällt dir das sai-magazin?