Text und Bilder von Julie Matthées

Das Redaktionstreffen des Sai-Kollektivs

Es ist ein kühler, verregneter Freitag in Berlin. Ein offener Barabend mit dem Kollektiv und allen interessierten Menschen steht an. Ich betrete die süße Bar in Neukölln, in der ich schon so viele andere Abende verbracht habe. Diesmal sind es nicht die üblichen Verdächtigen, sondern neue Menschen. Menschen, die ich noch nie zuvor in meinem Leben gesehen habe, die mir aber trotzdem so bekannt vorkommen. Es ist unglaublich, was ein Jahr schreiben, skypen und kreativ-Sein doch ausmachen kann, obwohl man sich nie persönlich gegenüber stand. 

Wir trinken und reden viel, der Abend wird länger und es fühlt sich immer vertrauter an, hier zu sein. Es wird geträumt, Pläne werden geschmiedet und Gedanken aufgenommen. Die geballte begeisterte Kraft aller anwesenden Sailinge verspricht viel. 

Am nächsten Morgen und frischer Dinge, gepackt vom Enthusiasmus des gestrigen Abends, treffen wir uns zu zehnt in Berlin-Mitte in einem hellen Konferenzraum. Nach Kaffee und WUPs (Warm-Ups) zum Wachwerden machen wir da weiter, wo wir am gestrigen Abend aufgehört hatten. Wir träumen: Wo sehen wir Sai in fünf Jahren? Was würden wir gerne verwirklicht haben? Je absurder die Ideen, desto schöner. Ist es möglich einen Podcast oder eine Print-Ausgabe auf die Beine zu stellen? Um dann doch ein wenig konkreter zu werden, träumen wir ein Jahr weiter. Wo wollen wir in einem Jahr als sai-Kollektiv stehen? 

Da wir uns nicht nur in der Zukunft verlieren wollen, sondern auch ein wenig in Erinnerungen schwelgen möchten, reist Paul mit uns durch das letzte Jahr. Wir denken zurück an den Moment, als jede*r Einzelne von uns zu sai kam. Wann das war, durch wen wir zu sai kennenlernten und wie sich der Anfang anfühlte. Dabei spüren wir, wie sehr sich sai in dem letzten Jahr entwickelt hat und wie wir gemeinsam gewachsen sind. 

Anschließend bringt Leonie uns wieder zurück auf den Boden der Tatsachen. Auch wenn die meisten von uns schon eine Weile bei sai sind, teilt Leonie mit uns die wichtigsten Skills. Dabei lernen wir den ausführlichen Prozess, wie ein Beitrag entsteht kennen. Von dem ersten Entwurf bis hin zur Veröffentlichung begleiten wir den Beitrag Schritt für Schritt durch Lektorat und Visualisierung, bis hin zum Layout für die Webseite.

Nach einem wohltuenden vietnamesischen Mittagessen an der frischen Luft, strengen wir unsere Köpfe ganz besonders an. Es geht darum, unsere Grundsätze zu erarbeiten. Fragen danach, wie wir sai definieren, wie wir miteinander sain wollen. Diese Leitliniendiskussion zieht sich bis in den späten Abend hinein, bis uns allen der Schädel dampft und nur noch Wein und Tanzen unseren Kopf befreien können.

Sonntagmorgen: Wir alle sind müde und kaputt, raffen uns aber trotzdem noch zu einem Endspurt auf. In Projektgruppen setzen wir uns zusammen, um die Pläne für sai’s Zukunft zu strukturieren. Ausgefuchste Ideen über verrückte Veranstaltungen und darüber, wie wir unser Social-Media Game aufs nächste Level bringen können, entstehen. Wir werden handfester und gehen Dinge an, die wir am gestrigen Tag erträumt haben. 

Aber nicht nur zum kreativen Schaffen sind wir hierher gekommen, noch einmal gehen wir auch über unsere stolz erarbeiteten Grundsätze. Wir diskutieren erneut die Punkte, die wir am Abend zuvor nicht abschließen konnten. Nachdem wirklich alle einverstanden sind und die Köpfe nicht verloren sind, sondern zustimmend nicken, merken wir, was das eigentlich für ein großer Schritt ist. sai bekommt nun einen Rahmen, wir sind nicht mehr alles und nichts, wir sind sai, yeah!

Langsam müssen die ersten wieder ihren Weg nach Hause antreten. Doch bevor wir unser Treffen beenden, reflektieren wir die letzten beiden Tage und merken, wie viel sich in so kurzer Zeit für uns alle verändert hat. sai ist nun nicht mehr nur eine abstrakte Gruppe in einer Kommunikationsapp. sai ist auch nicht mehr nur ein Werk der drei Gründer*innen, sondern ein Gruppengebilde, an dem wir alle beteiligt sein können. Frieda sagte so schön, dass sie sich wie frisch verliebt fühlt in sai und ich glaube, so fühlte sich das Wochenende für die meisten an. 

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