von Leonie Ziem | Bild: ©Lena Leitner

Weihnachten scheint mir dieses Jahr besonders früh dran. Aber vielleicht bin ich inzwischen auch einfach besonders alt, immerhin habe ich sonst immer nur die Alten solche Sachen sagen hören. Ein bisschen außer Atem betrachte ich, wie sich Woche für Woche mehr Kerzen anzünden. Und plötzlich haben wir Türchen Nummer 20. Die Schokolade schmeckt inzwischen nicht mehr so gut.

Gern würde ich Weihnachten diesmal einen Sinn hinzufügen. Weg vom Materialismus und Konsum. Diese Werte haben es sich lang genug auf dem Sofa bequem gemacht. Mit Vergnügen würde ich ihnen ein Furzkissen unterlegen und rebellisch dagegen wettern. Weihnachten? „Eine bürgerliche Erfindung, die nur dem Kapitalismus dient und nichts mit Liebe zu tun hat“, meint auch das Peng!Kollektiv in seiner E-Mail, in der die Aktivist*innengruppe zum Spenden aufruft:  „Erzählt euren Großeltern, dass wir so was wie Amnesty International oder das Rote Kreuz seien, diskutiert am Weihnachtsessen mit eurem AfD Onkel über uns bis eure Mama spenden will, oder: spendet einfach selbst.“

In diesem Video liefern sie euch gute Gründe, warum. Ein Furzkissen unterlegen gehört nämlich zu ihrer Spezialität:

Vielleicht wünschst du dir ja auch einen Teller zum gegen die Wand zu werfen. Oder aber einen Argumentationsworkshop gegen Rechts. Oder eine Massage. Wir haben gesammelt: Geschenke und Wünsche, die verdächtig nach mehr Sinn riechen, als andere.

Was für ein Versprechen sie auch einlösen, ob sie nachhaltig oder persönlich sind, vor allem helfen sie dabei, sich ein wenig besser zu fühlen. So als Mensch. Meistens regnet es ja keine Schokolade vom Himmel und oft tropft es auch keinen Zuckerguss. Das schlechte Gewissen wächst vor sich hin, selbst wenn man mal vergisst zu gießen – beziehungsweise gerade dann. Man darf ja nicht mehr mit dem Auto zur Arbeit fahren, für zwei Wochen in den Urlaub fliegen oder Avocados aus Südamerika naschen ohne den moralischen Zeigefinger gezeigt zu bekommen. Zu Recht. 
Dann wenigstens jetzt zu Weihnachten, die Tipps und Tricks , um sich „so als Mensch“ besser fühlen zu dürfen. Früher zelebriertest du Gänsebraten, heute gute Laune

  1. Einen feministischen Porno – Es gibt sicher viele langweilige Weihnachtsgeschenke, dieses gehört nicht dazu. Zu Forschungszwecken oder auch aus anderen Interessen. Ein Beispiel für einen feministischen Porno ist Erika Lust, die das Konzept Porno auf Indiefilme ausweitet.
  2. Dinge, die keine Dinge sind – Theater- oder Konzertkarten, selbstorganisierte Filmabende oder Weinverkostungen, Ausflüge ins Museum oder ins Grüne.
  3. Grundeinkommen spenden – Du glaubst an alternative Wirtschaftsformen und Zukunftsideen, bei denen andere den Kopf schütteln? Auf dieser Website wird versucht, sozialer Ungerechtigkeit im Kleinen zu trotzen, und zwar per bedingungsloses Grundeinkommen. Mittels Crowdfunding werden Grundeinkommen gesammelt und dann verlost.
  4. Einen virtuellen Spaziergang auf Crowdfunding machen und dabei Projekte unterstützen – Nicht nur die Aussicht und die frische, vor Ideen sprudelnde Luft wird dir gut tun, sondern auch helfen, ein bisschen Hoffnung in die Menschheit stecken.
  5. Pflanze einen Baum – Beziehungsweise, lass ihn pflanzen. Zum Beisiel bei Treedom von Kleinbäuer*innen vor Ort und spare damit CO2. Wenn du doch selbst anpackenwillst, warte in Deutschland bitte bis zum Frühling.
  6. Abos für Zeitschriften und Magazine –Zum Beispiel den kostenlosen E-Mailnewsletter von sai. Den findest du, wenn du bis zum Ende der Seite scrollst. Aber auch andere Magazine freuen sich bestimmt (ein bisschen weniger als wir).
  7. KEIN PLASTIK – Zum Beispiel Zahnbürsten aus Bambus oder wiederverwendbare Kaffeebecher.
  8. Bücher, die du ignoranten Menschen zu Weihnachten schenken solltest. Und diese noch am besten von kleinen Buchläden oder fairen Onlinebuchhändler*innen wie diesem oder diesem hier
  9. Weihnachten im Schuhkarton – Die Abgabefirst für dieses Jahr ist bereits um, aber einige Dinge weiß ich doch ganz bestimmt,  zum Beispiel, dass es auch nächstes Jahr wieder ein Weihnachten geben wird.
  10. Dokus zur Kritischen Auseinandersetzung . Zum Beispiel „The True Cost“, ein Film, der sich mit den wahren Kosten der Modeindustrie auseinandersetzt, „Bottled Life“, der sich mit Wasser als Menschenrecht befasst oder „Tomorrow“, der Ideen für eine gute Zukunft sammelt.
  11. (Selbstgemachte) Gesellschaftsspiele als Antagonist zum Smalltalk.

Auf Weihnachten kann man sich aus erklärlichen oder auch unerklärlichen Gründen freuen, zum Wohle des Familiensegens oder des guten Essens wegen. Auf das wir dieses Jahr den Kontoständen der großen Ketten eins auswischen, Weihnachten gehört uns.  

Das sai-magazin wünscht frohe Weihnachten!

2 thoughts on “Wem gehört Weihnachten? – Ein Wunschzettel”

  1. „Pflanze einen Baum – Beziehungsweise, lass ihn pflanzen. Zum Beisiel bei Treedom von Kleinbäuer*innen vor Ort und spare damit CO2. Wenn du doch selbst anpackenwillst, warte in Deutschland bitte bis zum Frühling.“

    Die meisten Bäume sollte man lieber im Herbst oder sogar im Winter pflanzen.

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